
Also ehrlich gesagt hab ich schön langsam genug von der Schwangerschaft und von den Ärzten. Man glaubt es kaum, was die durch ihre Art und Weise alles anrichten können. Ich kann auch die Krankenhäuser nimmer sehen und am liebsten würde ich eine Hausgeburt haben, damit ich da nicht mehr hin muss. Da ich aber eine Risikoschwangerschaft habe, ist das ja nicht möglich bzw. keine Hebamme würde dieses Risiko eingehen. Ich erzähl euch einfach mal, warum ich so stinkig auf die Ärzte bin.
Am Anfang der Schwangerschaft hatte ich ja nur Probleme mit meinem Blutdruck und dem Kreislauf. Da hab ich ja noch nicht so oft den Arzt gesehen. Kontrolliert hab ich ja selber. Nach Antritt der Frühkarenz hat sich mein Blutdruck aber stabilisiert und ich musste nicht mal mehr die Tabletten schlucken. Was für eine Erleichterung. Da dachte ich, jetzt wird alles besser und ich kann die Schwangerschaft genießen. Irgendwann nach dem Glukosetoleranztest, den mein Hausarzt als grenzwertig beschrieben hat, kam ich zum Frauenarzt und da meinte man, dass diese Blutzuckerwerte viel zu hoch seien. Daraufhin wurde ich ja ins Krankenhaus überwiesen (davon hab ich schon in einer anderen Story erzählt). Meine Nüchternwerte waren bei der Selbstkontrolle immer knapp über oder unter dem Grenzwert. Nach 5 Wochen (wöchentliche Kontrollen im Krankenhaus) meinte dann die Ärztin ich müsse Insulin spritzen. Ich hab ja Angst vor Nadeln, aber ich dachte mir dann nur mehr, dass ich das alles ja nur für meine Zwergin tu. Ich musste jeden Abend ein Langzeitinsulin spritzen. Das hat bewirkt, dass ich dauernd Hunger hatte. Kohlenhydrate und Zucker sind bei Schwangerschaftsdiabetes ja streng limitiert. Das Gemüse machte mich nicht wirklich satt und die Wurst und das Fleisch auch nicht. Also aß ich und aß ich und ich fühlte mich schlechter und schlechter. Interessanterweise wurden auch meine Blutzuckerwerte mit dem Insulin schlechter, obwohl ich kaum noch Kohlenhydrate zu mir nahm. Zusätzlich hatte ich plötzlich auch noch Ödeme an Füßen und Händen. Das fühlte sich an wie betäubt. Das hat mir dann auch noch gefehlt.
Dann meinte die Ärztin in der Diabetesabteilung ich hätte eine Insulinresistenz und ich müsste mehr Insulin spritzen. Die Oberhebamme und ein Arzt erklärten mir, dass ich nun nicht in Bruck an der Mur entbinden könnte, sondern nach Leoben müsste, weil es da eine Kinderklinik auch gab. Da war ich dann ziemlich verzweifelt, weil ich hatte mich schon so darauf eingestellt in Bruck zu entbinden. Dann hatte ich Angst, dass mein Baby gefährdet ist. Der Arzt meinte auch, dass wenn ich Insulin spritze, das engmaschig kontrolliert werden müsse. Wöchentliche Kontrollen sind doch eigentlich schon engmaschig? Mir war nur noch zum Heulen und ich wusste einfach nicht was ich tun sollte. Da hat mir eine Freundin eine Bekannte empfohlen, die schon seit vielen Jahren Diabetesberaterin ist. Diese ist noch am gleichen Abend zu mir gekommen und hat mit mir meine Blutzuckerwerte angeschaut. Sie sah mich dann nur mehr ungläubig an. Sie verstand nicht, warum ich Insulin spritzen müsse bei diesen Werten. Außerdem sei das Messgerät, das ich habe, eines der ungenauesten überhaupt. Na super und das wusste die Diabetesärztin in Bruck nicht als sie mir Insulin verschrieben hat. Diese Bekannte hat mir ein anderes Messgerät gegeben und ich habe beschlossen, dass ich das Insulin wieder weglasse. Der Hunger wurde weniger und interessanterweise auch die Blutzuckerwerte waren plötzlich immer innerhalb der Grenzen und wurden besser und besser. Ich fühlte mich auch wieder wohler. Die Ödeme wurden auch besser.
Dann kam am Dienstag der erste Termin im LKH Leoben. Bisher musste ich in Bruck maximal 10 Minuten auf das CTG warten. In Leoben wartete ich 2 Stunden auf das CTG. Im Warteraum war es total voll, die Fenster geschlossen und total heiß. Ich wartete und wartete. Dann das CTG. Die Hebamme war vollkommen überlastet, weil zuerst kein Turnusarzt aufzutreiben war, der meine Krankengeschichte aufnehmen sollte. Die Hebamme darf das auf dem Papierzettel ned ankreuzen. Das versteht sowieso die Welt ned. Denn lesen kann wohl jede Hebamme und ankreuzen auch. Dann als ich fertig war am CTG, war kein Assistenzarzt für das Ultraschall auftreibbar, weil die alle im Kreissaal waren. In Bruck hatten die Ultraschalluntersuchungen immer die Oberärzte durchgeführt. Da die Hebamme Mitleid mit mir und den anderen Schwangeren hatte, schickte sie mich zwischenzeitlich in die Diabetesambulanz. Dort kam ich sehr schnell dran, aber nicht weil ich einen Termin hatte, sondern weil meine Bekannte ihre Kolleginnen in Leoben angerufen hatte und der Oberarzt (Spezialist für Diabetes) schon von mir wusste. Interesannterweise meinte auch dieser, dass ich nicht Insulin spritzen muss. Interessanterweise meinte er, dass ich auch nimmer zu ihm zur Kontrolle müsste, solange die Werte weiterhin im Bereich sind. Seine Erklärung für die Therapie der Kollegin mit Insulin: "Manche Kollegen übertreiben es halt ein bisserl." Dieser Arzt hatte mir alles genau erklärt und wirkte total beruhigend auf mich. Ich war erleichtert und dachte, jetzt kann ich die letzten harten Wochen leicht überstehen.
Leider war das wieder falsch, denn dann kam ich zur Ultraschalluntersuchung (nachdem ich eine weitere Stunde gewartet hatte und eine Assistenzärztin aufgetaucht ist). Dann kam auch noch eine zweite Assistenzärztin. Die Ultraschalluntersuchung dürfte nicht deren Spezialgebiet sein, speziell nicht die Doppleruntersuchung. Die erste Ärztin versuchte sich schon mehrere Male daran, dann auch noch die andere. Dann meinten sie, das Kind würde so unruhig sein und mit der Nabelschnur spielen. Ausreden über Ausreden. Dann fragten sie, ob ich in einer halben Stunde wiederkommen könnte. Da ich ja Schwangerschaftsdiabetikerin bin und es schon 13 Uhr war, dachte ich, dass es besser wäre mal was essen zu gehen, bevor ich weiter dort warte. Als ich wiederkehrte haben sie es wieder versucht. Naja, dann hab ich nach dem Oberarzt gefragt, denn den hatte ich schon vom LKH Bruck gekannt (die Ärzte sind nämlich in Bruck und in Leoben die gleichen auf der Gyn). Der meinte dann der Widerstand in der Nabelschnur sei erhöht und das gehöre engmaschig kontrolliert. Ich hasse diesen Ausdruck inzwischen. Engmaschig kontrollieren. Das ist für mich das Unwort/Unausdruck des Jahres 2009. Am nächsten Tag musste ich dann schon wieder kommen, weil der Prenataldiagnostiker (der Guru auf dem Gebiet) an diesem Tag Dienst hatte. Naja die gleiche Prozedur wieder. Nicht nur dass der Weg bis Leoben sehr viel länger ist, auch das Warten war wieder dasselbe und die Temperaturen im Wartezimmer auch (obwohl es stark abgekühlt hatte draussen). Auch dieser meinte dann weiterhin engmaschig kontollieren. Ja schon klar, dass ich nur das Beste für mein Baby will, aber als die Hebamme dann auch noch sagte, dass mein Baby eher klein sei, war ich wieder total verzweifelt. Die nächsten Tage bis zur nächsten Kontrolle am (3 Tage später) waren die Hölle. Ich hab gegrübelt und mir Sorgen gemacht. Dann stellte ich mich auch noch auf die Waage, plötzlich hatte ich 1,5 kg abgenommen in einer Woche. Ich bekam noch mehr Angst. Am Samstag war dann Gott sei dank kein Assistenzarzt zu sehen und ein Oberarzt führte die Doppleruntersuchung durch. Dieser ist selbst Vater und hat alles in Ruhe nochmal erklärt und so erklärt, dass man das auch verstanden hat. Dieser war sehr verständnisvoll. Der hat mich dann auch wieder beruhigt. Die Erklärung für den Gewichtsverlust war auch schnell gefunden. Die Ödeme waren fast völlig verschwunden. Weniger Wasser bedeutet dann natürlich auch weniger Gewicht. D.h. ich habe in der Schwangerschaft bis jetzt 6,5 kg zugenommen. Darüber bin ich richtig stolz auf mich. Durch das Übergewicht, das ich von vornherein hatte, haben alle geglaubt, ich lasse mich jetzt völlig gehen. Das war aber nicht der Fall. Trotzdem wird es jetzt Zeit, dass unsere Zwergin bald auf die Welt kommt, damit ich das Krankenhaus für lange Zeit nimmer sehen muss.
lg
Kersi